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Kolumne Nr. 9 - Danke lieber Sommer

Die warmen Sonnenstrahlen haben die kalte Bise abgelöst und wir fühlen uns richtig in Sommerstimmung: Kurze Hose an, Sonnenbrille auf und in die neuen Sandalen geschlüpft. Voller Vorfreude auf diesen herrlichen Tag schnappen wir uns unsere Badetasche und es kribbelt, wenn wir an die kühle Erfrischung der Aare denken. Badetuch zusammengerollt, Sonnencreme eingesteckt und Strohhut aufgesetzt: Voilà, wir sind bereit für die Badi!

Doch dann beim Hinausgehen fällt unser Blick kurz zum Spiegel. Stopp! Wir halten an, und drehen uns einmal ganz vorsichtig und zögerlich davor: Was sollen denn die weissen Beine, die da so ganz auffällig von Sandale bis zur Shorts blitzen? Hm, bestimmt werden alle unsere Beine anstarren… Also los zurück zum Schrank: Die lange Pluderhose tuts ja auch. So werden gleichzeitig die zu festen Waden und die unschönen Knie versteckt. Ha, Drei auf einen Streich! So lächeln wir selbstzufrieden, sind stolz auf die Überlistung und nehmen unseren Ausflug mutig wieder in Angriff.

Doch nein, was sehen wir da: Unsere Zehen sind doch einfach zu krumm und überhaupt, unsere Füsse haben uns noch nie so richtig gefallen. Zum Glück haben wir da unsere Turnschuhe, da fällt das gar nicht auf. Jetzt aber los!

Knapp zur Tür hinaus schreit uns unser Spiegelbild nach: Haaalt! Was willst denn du mit diesen untrainierten Oberarmen im Bus nur tun? Stell dir vor, du musst dich festhalten und alle haben freien Blick darauf? Das kannst du doch nicht verantworten, oder? Rechts um kehrt und rasch ins Jäckchen geschlüpft. Puh, das war aber knapp.

Nur zur Sicherheit schauen wir noch einmal in den Spiegel, ob wir denn nun wirklich an alles gedacht haben und wir der Öffentlichkeit unseren Anblick zumuten können. Hm, ein wenig Make-Up könnte nicht schaden, den Bauch hätten wir bestimmt geschickter kaschieren können und die Ohren schauen gar zu frech unter dem Rand des Strohhutes hervor. Die Freude auf die Badi ist vergangen, das Lächeln verschwunden und die Lust am Sommer gründlich dahin. Danke dir, lieber Sommer.


Doch als wir uns dann so eingehüllt vor dem Spiegel betrachten, fällt uns alles wieder ein: Wie viele Kilometer uns diese Beine schon getragen, wie oft diese Füsse schon getanzt, wie viele Umarmungen diese Arme schon verschenkt und wie viele Geheimnisse diese Ohren schon gehört haben. Ja sogar wie viele Kinder dieser Bauch schon behütet hat. Unser Lächeln kehrt zurück. Langsam ziehen wir Jäckchen und Pluderhose aus, schlüpfen in die Shorts und ziehen unsere Sandalen an. Wir schauen uns im Spiegel an, betrachten die Person, die uns da entgegenstrahlt und wünschen ihr von Herzen einen wundervollen Tag. Denn, genau diesen haben wir uns verdient. Danke, lieber Sommer!

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