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Kolumne Nr. 17 - Ein magischer Ort

Ein Platz, an dem man als Kind einfach Kind sein durfte. Wir spielten, sangen, bauten und malten uns die schönsten Geschichten aus. Wir kreierten Häuser, wie wir sie nur im Traum erschaffen konnten: Zwischen den Tannen, da standen sie. Sie waren mit allem ausgestattet, was das Herz begehrt: Im Kühlschrank lagen schön aufgereiht frische Tannenzapfen, der Hörer des Telefons bestand aus einem Lärchenast mit zwei kleinen Zäpfchen als Ohr- und Sprechmuschel, und auf dem Stubentisch (ein morscher Baumstrunk) gab es eine kleine Vase mit Blümchen. Manchmal durften wir sogar die alten Vorhänge unserer Grossmutter an einem Seil aufhängen. Natürlich wurde prompt eingeladen, sobald das neue Haus fertig war. Am liebsten zu Tee und Kuchen. Dann musste sich mein Vater mit seinen langen Beinen auf die Erde setzen und die Grossmutter nahm auf einem Taburett Platz. In unserer Fantasie natürlich ein pompöser Sessel mit rotem Samtüberzug.

Hatten wir genug von Häuschenbauen und Teezeremonien, gingen wir auf Entdeckungstour: Meine Schwester trug die Blechbüchse und ich das Einmachglas mit eingestochenem Deckel. Los ging es quer durch die Wiese: Wer fand die schöneren Käfer, die grösseren Falter, die eindrücklichsten Schnecken und die wildesten Ameisen? Natürlich wurden alle Tierchen sorgsam gepflegt, vor allem die leuchtenden grünen Käferlein und die schwarzen Falter mit den roten Tupfen. Am Abend wurden dann alle wieder freigelassen und der Wald durfte sich wieder selbst um seine Bewohner kümmern. Doch am nächsten Tag ging es hoch zu Ross (ein Holzbalken mit einer Decke darauf) ab ins nächste Abenteuer!

Diesen für mich so magischen Ort aus meiner Kindheit besuchte ich am letzten Wochenende nach längerer Zeit wieder. Nun ach so erwachsen und mit ganz anderen Dingen beschäftigt als Käfersuchen, mit Handy in der Tasche statt Birkenästchen am Ohr. Schon als ich aus dem Auto stieg und tief einatmete, stürmten aber bereits tausend Erinnerungen auf mich ein. Ich hatte das Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Jeder Schritt auf dem Waldboden tönte noch genauso wie vor vielen Jahren, die Vögel zwitscherten wie damals und die Tannen rauschten, als wollten sie mich willkommen heissen.

Erinnerungen. Wir tragen sie ganz tief in uns. Es braucht oft so wenig, ein Duft, ein Geräusch, um sie hervorzurufen. Dann sind wir wieder dort, wo wir als Kind waren. Erinnerungen werden, je älter wir sind, stets wichtiger für uns. Obwohl wir im Hier und Jetzt unterwegs sind (oder sein sollten), kehren wir gerne zu unseren Erinnerungen zurück. Manchmal besteht die Gefahr, dass wir beinahe nur noch in der Vergangenheit leben, uns zu Zeiten flüchten, die für uns angenehm waren. Es heisst ja auch nicht umsonst, in Erinnerungen schwelgen. Zu gerne höre ich meine Grossmutter, wie sie zum Essen ruft, mein Grossvater beim Holzhacken ist und wie mein Vater sich den Staub von den Arbeitshosen klopft. Ich spüre die Wärme des Holzofens und fühle meine Familie um mich. Gerade möchte ich einfach nur Kind sein und in die Geborgenheit des Moments eintauchen.

Wo ist dein Platz, wo dich Erinnerungen erfreuen? Was sind deine schönsten Erlebnisse? Vielleicht erzählst du mir ja mal davon, im Hier und Jetzt. Farbenfroh, deine Christine

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